Hintergrund

Was uns antreibt

In den letzten zwei Jahrzehnten wurde die Bedeutung und Anerkennung der Urban Art Bewegung weltweit immer sichtbarer. Der Begriff Urban Art wurde in den 90er Jahren im Bereich Graffiti sporadisch verwendet und versucht heute verschiedene Kunstformen im öffentlichen Raum zu vereinen, ob skulpturale, konzeptionelle Interventionen im urbanen Raum, Wandmalereien (Muralism), Street Art oder Graffiti Writing. Inwieweit es sich um die größte Kunstbewegung des 21. Jahrhunderts handelt, darüber wird weiterhin diskutiert. Sicher ist: Urban Art greift im urbanen Raum einer Stadt ein, wirkt an der Stadtgestaltung mit, ist Kommunikationsmittel zwischen BürgerInnen und BesucherInnen der Stadt und steht in Wechselwirkung mit deren schnelllebigen Leben und Wandel. Sie ist eine Form der Kommunikation und Vermittlung von künstlerischen Positionen für jeden. Sie überrascht, regt an, verschönert, verstört oder verärgert, auf jeden Fall ist sie lebendig und lässt niemanden gleichgültig. Die gemeinsame globale bildnerische Sprache, die viele KünstlerInnen teilen, ist länder-, kultur- und generationsübergreifend. Somit kann urbane Kunst, über die bildende Kunst hinaus, ein wichtiges Medium für Bildung, Erziehung und Vermittlung sein.

In vielen Ländern unterstützen mittlerweile große Institutionen Urban Art Projekte, bedeutende Museen und Galerien zeigen Ausstellungen und präsentieren Urban Art KünstlerInnen, Publikationen erscheinen, Städte laden zu Festivals ein, Biennalen und Messen finden statt.

Berlin: Zentraler Ort der Urban Art

Berlin spielt eine bedeutende Rolle für diese Kunstbewegung. Schon lange gilt sie der internationalen Szene als Mekka, in welcher Graffiti ab den 1970er Jahren zum Teil des Stadtbildes wurde und auch viele Giebel-und Fassadenmalereien entstanden. Im geteilten Berlin wurde die Mauer zum größten Graffito der Welt. Es wurde gesprüht und gemalt, und im damaligen West-Berlin verbreitete sich Graffiti Writing in den 1980er Jahren rapide durch die aus USA stammende Hip Hop Bewegung. Im Zuge der Wiedervereinigung breitete es sich auch Ost-Berlin aus und es gab einen wahrhaftigen Graffiti-Boom. Ab Mitte der 90er Jahren eroberten zunehmend bildende KünstlerInnen den Stadtraum mit neuen Überraschungen und ab etwa 2000 hinterließen Street Art KünstlerInnen mit neuen Bildsprachen und Techniken ihre Spuren im urbanen Raum.Die Bewegung entwickelte sich zu einem wahren weltweiten Phänomen.

Berlin steht schon seit vielen Jahren für eine subversive energetische Kunstszene, und dieser Ruf Berlins bringt viele KünstlerInnen und TouristInnen in die Hauptstadt. Eine ganze Reihe von Murals hat großes internationales Aufsehen erregt und die Bilder entwickelten sich zu wahren Touristen-Magneten und Wahrzeichen der Stadt. Das hat auch das Land Berlin erkannt und Urban Art wird seit einigen Jahren für ein internationales Stadtmarketing genutzt.

Die URBAN ART WEEK möchte nun den Orten und Initiativen, die sich seit Jahren mit Urban Art befassen und die Bewegung voran trieben eine größere Plattform bieten, sowie auch jüngere Initiativen unterstützen.

Die lokalen Akteure

Die wichtigen Akteure der Urban Art Szene in Berlin sind langjährige aktive Vertreter der älteren und jüngeren Generation. Verteilt in der ganzen Stadt organisieren sie seit vielen Jahren einzelne Veranstaltungen. Die „Backjumps“- Ausstellungsreihe ab 2003 im Kunstraum Bethanien (mit ersten offiziell bemalten Brandwänden), das Neurotitan im Haus Schwarzenberg, das ehemalige Stattbad Wedding mit Ateliers und Ausstellungen, die Stroke Art Fair, das Urban Affairs Festival, das Urban Spree auf dem RAW Gelände oder das ZK/U – Zentrum für Kunst und Urbanistik haben alle ihren Teil dazu beigetragen diese Kunstbewegung in Berlin zu fördern. Initiativen wie der Hip Hop Stützpunkt (From Here To Fame), der Verein Berlin Massive oder die Graffiti Lobby Berlin (die den ersten Graffiti Kongress und Vorstellung von Graffiti im Abgeordnetenhaus organisiert hat), haben internationalen Künstleraustausch und Anerkennung der Graffitikultur schon früh mit Workshops, Festivals und Hip-Hop-Jams mitbewirkt. Die StreetUniverCity hat seine Jugendarbeit u.a. schon lange mit Graffiti Writing erweitert, so auch das Graffitiarchiv. Spezialisierte Galerien wie die Circle Culture Gallery, ATM Gallery, JR Gallery, das Schau Fenster, BC Gallery oder Open Walls bespielen die Stadt mit einem internationalen Ausstellungsprogramm. Organisationen und Künstleragenturen wie Street Art Berlin, Circus of Styles, 0815 Design und XI Design bemalen stadtweit Brandwände (Murals) und setzen Kunstprojekte um.

All diese AkteurInnen arbeiten dabei sowohl lokal als auch national und international, und auch mit dem Ziel Berliner KünstlerInnen zu unterstützen. Die Arbeit der Szene wird von zahlreichen Publikationen und Blogs zum Thema begleitet. In Berlin-Schöneberg eröffnete das erste Museum für Urban Contemporary Art 2017, das seinen Anspruch als Vertreter der Kunstform beweisen möchte. Das Street Art Projekt im selben Jahr von Berlin Art Bang e.V. hat mit dem Projekt “TheHaus” gezeigt welche unglaubliche künstlerische Energie und großes Potential es in der Berliner Urban Art Szene gibt und wie interessiert die Menschen daran sind, wenn sie eingeladen werden dies miterleben zu dürfen. Das „Berlin Mural Fest“ hat 2018 über 20 neue Brandwand-Gestaltungen in der Stadt hinterlassen und mit Block Parties gefeiert.

Weitere Infos zur Urban Art Szene in Berlin findet sich auf der Webseite des „Kreis der urbanen Szene“ unter: www.urbanvisit.org

Warum eine Urban Art Week in Berlin?

Berlin hat bis heute noch kein regelmäßiges übergreifendes Festival für die Vermittlung der verschiedenen Kunstformen der Urban Art. In anderen Städten in den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Russland, Indien, Marokko, Libanon und auch Deutschland (Köln) gehören jährlich wiederkehrende Formate der Vermittlung von Urban Art zum Kunstprogramm.

Berlin ist hier aber künstlerisch äußerst wichtig, denn viele KünstlerInnen entwickelten hier neue Stilrichtungen und Techniken und der urbane Raum bot immer viele Möglichkeiten und Freiheiten für den künstlerischen Ausdruck.

Es ist nun an der Zeit, die unter diesem Format versammelten TeilnehmerInnen und Netzwerke zu bündeln und den BerlinerInnen und unseren Gästen zu zeigen, dass die AkteurInnen in Berlin ihre urbanen Künste und KünstlerInnen zu schätzen weiß und gemeinsam versuchen werden die Vielfältigkeit der Kunstrichtung, Wissen und auch kritische Hinterfragungen anhand von diversen Programmpunkten zu vermitteln.

Was bietet das neue Format?

Die URBAN ART WEEK ist das erste übergreifende Format der Urban Art Szene Berlins, entwickelt vom 2017 entstandenen Arbeitskreis Urban Art, der sich aus zwölf Teilnehmer-Organisationen der Szene zusammensetzt und es geschafft hat gemeinsam mit dem Berliner Senat den Runden Tisch Urban Art zu bilden. Die URBAN ART WEEK wird alle wichtigen Mitstreiter der Szene in Berlin mit einem gemeinsamen Auftritt mit verschiedensten Programmpunkten über eine Dauer von acht Tagen bezirksübergreifend vereinen. Die verschiedenen Kunstformen der Urban Art sollen sich hier präsentieren wobei die künstlerische Qualität sowie deren Vielfältigkeit im Vordergrund stehen.

Das Ziel ist ein breites Publikum für diese Kunstformen zu sensibilisieren, zu informieren und Inhalte zu vermitteln. Der Zusammenschluss der TeilnehmerInnen, die mit dieser weltweiten Kunstbewegung seit kurz oder lang verwoben sind, wird einerseits dazu beisteuern ein größeres Publikum zu erreichen als auch zu neuem Austausch und zukünftigen Kollaborationen beitragen. Das langfristige Ziel des Arbeitskreis Urban Art und somit der URBAN ART WEEK ist die nachhaltige Vernetzung, Förderung und Vermittlung dieser Kunstrichtung. Dies erfolgt einerseits durch die Unterstützung für das künstlerische Schaffen von KünstlerInnen als auch durch die Vermittlung der Urban Art durch eine breit angelegte Öffentlichkeitsarbeit.

Die URBAN ART WEEK wird vom 5.09. bis 12.09.2018 stattfinden und in ganz Berlin täglich ein vielseitiges kostenloses Programm für ein breites Publikum bieten. Ein Programmflyer mit Stadtplan sowie eine Internetseite (www.urbanartweek.de) in deutscher und englischer Sprache begleitet das Format.

Texte: Katia Hermann
Lektorat: Don Karl und Jochen Küpper